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Stellungnahme zu Michael Grewe

24. Dezember 2012 | By | 37 Replies More

Liebe SPF-Leserinnen und Leser,

in der Januar-Ausgabe des Bookazins wird es einen Artikel zum Thema „Methodenvielfalt. Sachlicher Diskurs über ein emotional besetztes Thema“ geben. Wer hätte vor drei Monaten gedacht, dass dieser Bericht bei Erscheinen einen derart aktuellen Bezug haben würde!

Inzwischen haben unzählige Hundebesitzer das Video mit Michael Grewe & Frank Faß aus einem Canis-Workshop gesehen, in welchem ein völlig gestresst wirkender DSH mit einem Metallnapf hart an den Kopf geschlagen wird. SitzPlatzFuss hat sich bisher bewusst nicht öffentlich an der daraufhin entbrannten Diskussion beteiligt, möchte aber nun der Bitte um Stellungnahme nachkommen.

Ich persönlich bin geschockt – und das gleich mehrfach. Zum einen erschreckt mich das Ausmaß der eingesetzten Härte im Video. Ist der nun folgende Protest gerechtfertigt und nachvollziehbar? Von mir ein klares „Ja“. Es ist erschreckend zu sehen, wie der von Anfang an verunsicherte Hund zu einer aggressiven Reaktion provoziert und dann hart bestraft wird. Zum anderen wirkt die emotionale Gleichgültigkeit, mit welcher alle beteiligten Personen agieren, auf mich und sicher viele andere irritierend.

Nicht minder geschockt bin ich von den Reaktionen, die neben der allgemeinen Empörung auf dieses Video zu finden sind. Ich finde es unfassbar, dass Personen die einen gewaltfreien Umgang mit Tieren propagieren nun einem Menschen Gewalt androhen.   Aus der Stellungnahme von Michael Grewe geht sicher nur ansatzweise hervor, wie sich ein Mensch fühlen muss, der sich mit den unbremsbaren Gewalten eines Shitstorms konfrontiert sieht. Anonyme Beschimpfungen und Drohungen sind für mich genauso verurteilenswert, wie die Handlungen und Rechtfertigungen, gegen die sie sich richten.

Auf eben diese Rechtfertigungen möchte ich jedoch ebenfalls eingehen: Ich bin fest davon überzeugt, dass im Falle von Gewalt der Zweck nie die Mittel heiligt. Und spätestens an diesem Punkt verlässt die Diskussion sowieso jede fachliche Ebene, weshalb es völlig irrelevant ist, wie der Hund sich davor oder danach benommen hat. Es gibt verschiedene, effektive Methoden auf das Verhalten eines Hundes Einfluss zu nehmen, Strafe gehört unbestritten dazu. Ob man jedoch generell (ebenso wie in besonderen Ausnahmefällen) bereit ist, auf gewalttätige Handlungen zurück zu greifen ist keine fachliche, sondern eine ethische Frage. Es scheint, als ob hier die Wertvorstellungen deutlich auseinander gehen.

Ein offener, unvoreingenommener Umgang mit dem Thema „Methodenvielfalt“ ist mir für die Zukunft von SitzPlatzFuss ein wichtiges Anliegen. Wir möchten uns jedoch als Redaktion und als Verlag von der im vorliegenden Video von Michael Grewe angeleiteten Misshandlung eines Hundes ausdrücklich distanzieren.  Es wird bei SitzPlatzFuss keine weiteren Artikel mit ihm geben.

Und bevor nun irgendwer sein Abo kündigt, würde ich mir wünschen, dass derjenige die Weihnachtstage nutzt, um in Ruhe darüber nachzudenken, welche Werte ihm im Umgang mit Hunden eigentlich wichtig sind. Vielleicht bietet ja besagter Artikel den ein oder anderen Denkanstoß. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr!

Madeleine Franck

– Chefredakteurin ab Ausgabe 10 –

Category: Allgemeine Themen

Comments (37)

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  1. Ulrich Manthei sagt:

    SgF Franck,

    seit vielen Jahren habe ich mich der Rasse Hund verschrieben, gleichgültig ob DSH, Dackel oder „Strassenkötermischung“, wie man so schön sagt.
    Meine Frau und ich haben uns mit der Materie Hund sehr lange auseinandergesetzt und tun das noch immer.
    Sie schreiben in Ihrer Stellungnahme: “ Es gibt verschiedene, effektive Methoden auf das Verhalten eines Hundes Einfluss zu nehmen, Strafe gehört unbestritten dazu.“ (Zitat Ende).
    Für diese Aussage ein klares NEIN !!!!!
    Noch nie sah ich mich genötigt, meine Hunde zu „bestrafen“. Und schon gar nicht mit körperlicher Gewalt.

    Ganz ehrlich…….wenn so ein Mensch ggf. noch andere Trainer ausbilden darf, dann gute Nacht…….
    Da bin ich sehr froh, daß wir eine Hundeschule mit einer Trainerin haben, die definitiv Ahnung hat und komischerweise auch bei sog. Problemhunden ohne Strafe auskommt.

    Und was das Abo angeht………gottseidank habe ich keins bei Ihnen, was ich jetzt kündigen müsste.

    In einem Satz gesagt: Ihre Aussagen bezüglich Strafe sind für mich diskussionsunwürdig !!!!!

  2. Barbara sagt:

    Danke für Ihre Stellungnahme.
    Ich bin auch der Meinung, dass es heute in der Erziehung der Säugetiere keinen Platz mehr für Prügel, egal, ob reflektiert und durchgedacht oder nicht, gibt. Wissenschaftliche Studien zeigen eindeutig, dass positive Strafe keine Grundlage für dauerhafte Verhaltensveränderung sein kann. Insbesondere körperliche Strafe!
    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in kommendem Jahr. Mit freundlichen Grüssen,
    Barbara

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