Tierkrankenversicherungen – Solidarprinzip oder Abzocke?

Von Sylke Schulte

Eine hartnäckige Erkältung, ein gebrochenes Bein, die jährliche Vorsorgeuntersuchung oder gar eine Operation – um mehr oder weniger regelmäßige Arztbesuche kommt kaum einer von uns herum. Dank des Solidarprinzips der Krankenkasse müssen wir uns um die daraus entstehenden Kosten in den meisten Fällen keine Gedanken machen. Doch wie sieht die Situation aus, wenn der beste Freund des Menschen ärztlicher Hilfe bedarf? Viele Halter wissen aus leidvoller Erfahrung, dass gesundheitlich angeschlagene Vierbeiner ein tiefes Loch in die Haushaltskasse reißen können. Für diese Fälle bieten viele Versicherer heutzutage Kranken- und OP-Versicherungen auch für Patienten mit vier Beinen an. Doch was steckt hinter den Tierkrankenversicherungen? Bieten diese, ganz im Sinne des Erfinders, solidarische Absicherung oder handelt es sich vielmehr um eine weitere Masche der Wirtschaft, um fürsorglichen Tierhaltern das Geld aus der Tasche zu ziehen?

Die Verunsicherung rund um das Thema Tierkrankenversicherung ist groß. Die Policen der Versicherer für Hund und Katz stehen denen für Menschen in puncto Fachchinesisch in nichts nach, und so grenzt es oftmals an Sisyphusarbeit, sich durch die Vielzahl von Anbietern und unterschiedlichen Policen zu arbeiten. Doch macht eine solche Versicherung grundsätzlich überhaupt Sinn? Und wenn ja, worauf sollte man achten, um am Ende nicht doch auf den Kosten für Pfiffis Behandlung sitzen zu bleiben, und welche Art von Versicherung ist im Einzelfall ratsam?

 

Terminologie und Optionen

Tierkrankenversicherungen versprechen, das finanzielle Risiko für Tierhalter im Rahmen zu halten, und bieten einen bunten Strauß unterschiedlicher Leistungen an. Die meisten Versicherer unterscheiden dabei zunächst einmal zwischen einem OP-Krankenschutz, einer umfassenden Vollversicherung und einer Krankenbasisversicherung. Michael Herte vom Referat Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein e. V. erklärt: „Erstattet werden je nach Tarif die Tierarztkosten, Operationskosten für ambulante, stationäre und chirurgische Behandlungen, die Medikamente, die Unterbringungskosten und die Diagnostik. Es besteht freie Wahl des Tierarztes und der Praxis, hierzu gehören auch die Tierkliniken.“

Im Klartext bedeutet das: Schließt man eine einfache OP-Versicherung ab, greift diese nur bei chirurgischen Eingriffen – die Kosten für sämtliche weitere Untersuchungen und Medikamente sowie andere Behandlungen und Impfungen bezahlt Herrchen oder Frauchen aus eigener Tasche. Mit einer Krankenbasisversicherung dagegen sind eben diese „kleineren Behandlungen“ abgedeckt, jedoch keine Operationen. Alle anfallenden Kosten, von Impfungen bis hin zu Eingriffen, werden – so die Theorie – von der Krankenvollversicherung übernommen.

Einige Versicherer bieten auch Kombipakete, wie zum Beispiel die Möglichkeit, eine Hundekrankenversicherung zusammen mit der in Deutschland vorgeschriebenen Hundehaftpflichtversicherung abzuschließen. Zudem sollte man sich bei Abschluss einer Krankenversicherung Gedanken darüber machen, ob der Versicherungsschutz auch im Ausland gelten sollte, da Tierarztkosten nicht einmal in der EU einheitlich geregelt sind und demnach stark variieren können.

Die monatlichen Raten hängen vom ausgewählten Schutz ab und variieren stark je nach Anbieter, richten sich aber grundsätzlich nach Faktoren wie zum Beispiel Geschlecht, Alter, Rasse und auch Haltungsart des Hundes.

 

Auf der Habenseite

Hoffentlich weiß heute jeder, dass mit der Anschaffung eines Hundes nicht nur viel Verantwortung, sondern im schlimmsten Fall auch hohe Kosten verbunden sein können. Während sich laufende Kosten für Impfungen und Co. von selbst verstehen sollten, kann der ein oder andere Hundehalter angesichts der Rechnung für scheinbar „einfache“ Behandlungen schon einmal blass um die Nase werden. Größere Operationen können im Ernstfall sogar mit mehreren Tausend Euro zu Buche schlagen. Vor diesem Problem stehen oft nicht nur Halter von Hunden mit permanenten gesundheitlichen Problemen – Unfälle können allen Rassen und auch den Vorsichtigsten unter den Zwei- und Vierbeinern passieren, und dann ist guter Rat oft teuer.

Martin Hacker, Versicherungsfachmann beim unabhängigen Berliner Maklerbüro transparent-beraten.de, rät: „Im Grunde ist eine Tierkrankenversicherung für sämtliche Hundehalter sinnvoll – krank können Tiere jeden Alters und jeder Rasse werden. Die Kosten beim Tierarzt richten sich in der Regel nicht nach Alter, Größe, Rasse oder Ähnlichem. Man kann also nicht sagen, dass ein Versicherungsschutz für bestimmte Tiere besonders ratsam ist.“ Auch viele Tierärzte sehen den Nutzen in Tierkrankenversicherungen. So erklärte Astrid Behr vom Bundesverband praktizierender Tierärzte im Interview mit der Süddeutschen: „In Deutschland haben nur etwa ein Prozent der Tierhalter eine Absicherung für den Krankheitsfall. Das ist viel zu wenig“, findet sie. In Schweden und Norwegen seien es etwa 50 Prozent. Dieser niedrige Prozentsatz schade vor allem den Tieren. „Wer keine Versicherung hat, wartet zu lange, bis er mit dem Tier in die Praxis geht, weil er die möglichen Kosten fürchtet“, so Behr. „Doch dadurch wird der Schaden für das Tier umso größer und für den Besitzer teurer.“ Die wenigsten Menschen legten Geld für einen medizinischen Notfall ihres Tiers beiseite. Deshalb sei eine Tierkrankenversicherung im Sinne des Tiers absolut richtig.

 

Doch Obacht!

Michael Herte von der Verbraucherzentrale hält dagegen: „Es kann durchaus sinnvoll sein, eine Hunde-Operationskostenversicherung abzuschließen, um die teuren Operationskosten mindestens zu einem Teil erstattet zu bekommen. Auf die Tierkrankenversicherung für Hunde kann allerdings verzichtet werden, wenn stattdessen für den Ernstfall eine Rücklage gebildet wird.“ Auch die Stiftung Warentest rät in ihrem Finanztest von 2016: „Jeder Tarif für Hunde und Katzen hat seine Tücken. Entweder ist der Beitrag hoch oder die Leistungen sind beschränkt. Der Krankenvollschutz ist deutlich teurer als ein OP-Tarif. Überlegen Sie, ob Sie nicht besser monatlich sparen.“

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