Hoopers Agility – brauchen wir noch einen neuen Hundesport?

Leseprobe aus der SPF 10 – Von Angelika Schröder und Nina Gramer

Hoopers 2Agility, Turnierhundesport, Dog-Frisbee, Flyball und Treibball – die Vielfalt im Hundesport kennt kaum Grenzen. Für junge, vitale und bewegliche Hunde und ihre Halter ist das Beschäftigungsangebot größer denn je. Doch was wird aus den Sporthunden im Alter? Womit vertreiben sich Hundesenioren die Zeit? Sind sie zum Nichtstun verdammt? Stehen nur noch Spaziergänge und ausgedehnte Schläfchen auf dem Programm? Das muss nicht sein: Die Alternative heißt HOOPERS AGILITY! Eine Beschäftigung, die zwar auf körperliche Beeinträchtigungen Rücksicht nimmt, aber in die Jahre gekommene Hunde noch lange nicht aufs Altenteil schickt. Im Hoopers Agility kommen ehemalige Sporthunde wieder voll auf ihre Kosten und erleben mit Freude und Euphorie einen zweiten Frühling im Hundesport.

NADAC Hoopers Agility – die Antwort für Agilitysenioren

Wenn Agilityhunde älter werden, wenn erste körperliche Einschränkungen im Bewegungsapparat auftreten und Sprünge zur schmerzhaften Belastung für die Gelenke werden, ist für die Agilitysenioren normalerweise Schluss mit dem gemeinsamen Hobby. Um die Hunde vor Überforderung und Verletzungen zu schützen, werden sie sinnvollerweise vom Halter aus dem Sport herausgenommen. Damit wird ihnen jedoch gleichzeitig auch ein großes Stück an Beweglichkeitstraining, an Lebensfreude, an Spaß und an lustvoller Gemeinsamkeit mit ihren Hundeführern entrissen. Um diese Lücke zu füllen, bietet sich die Adaption einer Sportart an, die in den USA erfunden wurde: NADAC Hoopers Agility. „Hoopers“ Agility heißt es, weil Hula-Hoop-Reifen anstelle von Hürden eingesetzt werden. In den USA hat das North American Dog Agility Council (NADAC) 2 unterschiedliche Varianten dieser Sportart für Hunde jeder Rasse und jeden Alters beschrieben, es werden Turniere nach festgelegten Reglements durchgeführt. Durch eine Anpassung der NADAC-Regeln an die körperliche Befindlichkeit der Agilitysenioren sollte eine Sportart geschaffen werden, die in erster Linie den Bedürfnissen der alten, erfahrenen Agilityhunde entspricht, aber auf die Einschränkungen Rücksicht nimmt, denen die Hunde aufgrund von Altersfolgeerscheinungen ausgesetzt sind. Die positiven Effekte aus dem Agility wie Lauftraining, Schulung des Koordinationsvermögens, körperliche und geistige Auslastung und die gemeinsame sportliche Betätigung mit ihrem Halter bleiben dagegen erhalten.

Hunde und Hundeführer werden älter …

Adressaten für diese neue Art von Agilitysport sind diejenigen Senioren, die zum Beispiel wegen beginnender HD, Spondylose oder Ähnlichem aus dem aktiven Agilitysport ausscheiden mussten. Auch Hundeführersenioren oder schwache Läufer könnten hier ein neues sportliches Zuhause finden.

Nur wer keine Schmerzen hat, ist begeistert dabei

Erste und wichtigste Voraussetzung für das Training ist es, dass der Hund schmerzfrei ist. Egal, wie begeistert die Hunde beim Anblick des Parcours sein mögen, wenn sie Schmerzen haben, sollten sie von der Teilnahme ausgeschlossen sein. Natürlich sollte auch der Tierarzt zurate gezogen werden und keine Einwände dagegen erheben, dass die Tiere ebenerdig beziehungsweise über oder durch sanft ansteigende und abfallende Geräte laufen. Die Hunde kennen die eingesetzten Geräte Steg, A-Wand, Flex-Tunnel und Slalom aus ihrer Vergangenheit im Agility in jungen und gesunden Jahren. Die menschlichen Teilnehmer sind Halter, die mit dem Hund längere Zeit Agility betrieben haben. Sie wissen nicht nur, wie sie ihre Hunde sicher über die Geräte führen, sondern kennen unterschiedliche Führtechniken und können sie auch anwenden.

Das „Rundum-Senioren-Wohlfühlpaket“

Was soll mit diesem Angebot erreicht werden? Warum überhaupt noch eine neue Agilityvariante erschaffen? Bieten die bekannten Versionen wie Degility oder Mobility nicht genug? Das Besondere an Hoopers Agility für ehemalige oder gehandicapte Sporthunde ist, dass die Hunde genau an der Stelle ihrer persönlichen Befindlichkeit abgeholt werden. Es sind meist Hunde, für die das schnelle Laufen und die blitzschnelle Kommunikation mit dem Hundeführer ein echtes Highlight waren und die wegen körperlicher Einschränkungen genau das im „normalen“ Agility nicht mehr durften. Sowohl im Degility wie auch im Mobility geht es dagegen vergleichsweise ruhig zu. Hoopers Agility ist jedoch nicht langsam, denn laufen können und dürfen die Senioren immer noch. Dadurch, dass keinerlei Sprünge geleistet werden müssen, wird die körperliche Belastung gering gehalten. Aber beim zügigen Lauf auf ebener Erde trainieren die Hunde (und Hundeführer) auch weiter ihre Beweglichkeit, Muskeln werden eingesetzt, bewegt und bleiben erhalten, die sonst durch Schonung oder Nichtbenutzung in kurzer Zeit abgebaut würden. Die kontrollierte körperliche Beschäftigung lastet die älteren Hunde aus und der Stoffwechsel wird angeregt. Diese allgemeine Auslastung trägt in erfreulichem Maß zum physischen Wohlbefinden des Tiers bei. Der damit einhergehende Muskelaufbau bewirkt eine höhere Beweglichkeit der Extremitäten, die Hunde wirken jünger. Der Erhalt des selbstständigen Arbeitens der Hunde und das damit verknüpfte Erfolgsgefühl ist ein weiteres Trainingsziel. In ihrer aktiven Agilityzeit haben die Hunde bereits gelernt, bestimmte Geräte oder Sequenzen auf Kommando selbstständig abzuarbeiten. Dafür haben sie großes Lob und die Anerkennung ihres Hundeführers bekommen, was wiederum ein enormer Beitrag zum Selbstwertgefühl der Hunde war. Wird den Tieren die sportliche Betätigung genommen, bleiben ihnen gleichzeitig Lob und Anerkennung vorenthalten, was langfristig zu Langeweile, Trauer oder sogar Depression führen kann. Im angepassten Hoopers Agility dürfen die Hunde ihre Fähigkeiten in selbstständiger Arbeit weiter zeigen, können sie sogar noch ausbauen und werden so auch als Senioren durch das Lob ihrer Halter in ihrem Tun bestätigt.

Nicht zu unterschätzen ist die geistige Herausforderung für die Hunde. Ähnlich wie Menschen bauen auch viele Hunde im Alter geistig ab. In diesen Prozess einzugreifen, ihn zu verlangsamen oder aufzuhalten trägt zum Erhalt der geistigen Gesundheit des Tiers bei. Das Alter oder typische Einschränkungen wie zum Beispiel durch Arthrose sind häufig genannte Gründe, warum ein Hund nicht mehr gefordert wird. Viele Hundehalter denken, durch allgemeine Schonung bleibt der Vierbeiner länger fit. An dieser Stelle muss deutlich differenziert werden: Körperliche Schonung und Rücksichtnahme bei Erkrankungen wie Hüftgelenksdysplasie, Spondylose oder Arthrose sollten selbstverständlich sein, aber kognitive Schonung ist gänzlich unangebracht. Im Hoopers Agility Parcours ist der Intellekt des Hundes ebenso gefordert wie in einem „normalen“ Agilityparcours. Kommandos müssen verstanden und befolgt, Abstände richtig eingeschätzt, Richtungswechsel zügig und kraftsparend ausgeführt und die Körpersprache des Hundeführers erkannt und umgesetzt werden. Alte Hunde sollten nicht automatisch zum „alten Eisen“ erklärt werden. Weitere Elemente in der Kommunikation zwischen Hundeführer und Hund, die unabhängig von Alter und Gesundheit weiterhin trainiert und gefördert werden können, sind zum Beispiel das Führen auf Distanz oder die Geräteerkennung durch den Hund. Die Mensch-Hund-Teams sind eingespielt, die Hunde kennen die körpersprachlichen Signale ihrer Menschen und reagieren darauf, sie können Ansagen und Kommandos auch in immer größerer Entfernung befolgen. Geräteerkennung zu trainieren ist sowohl Gedächtnis- wie auch Gehorsamkeitsschulung. Beides trägt zur Stärkung der Bindung zwischen Hund und Halter bei. Bei allem Training ist nicht zu vergessen, dass der Spaß im Mensch-Hund-Team eine große Rolle spielt. Die sportliche Betätigung des Hundes, gemeinsam mit seinem Menschen, setzt Glückshormone bei ihm frei, die der Entwicklung von Altersdepressionen keinen Raum lässt.

Hoopers 3Was braucht man fürs Training?

Von den „üblichen“ Agilitygeräten werden Steg, A-Wand, Hürdenausleger, Gassenslalom, Slalom und Flex-Tunnel benötigt. Dabei ist zu überlegen, ob lieber ein Tunnel mit größerem Durchmesser (80 cm) angeschafft werden sollte, um es den alten Herrschaften zu ersparen, beim Durchlaufen des Tunnels die Hinterläufe einknicken zu müssen. Die Kontaktzonen werden angepasst und deutlich flacher gestellt. Zusätzlich werden 12 bis 15 stabile Hula-Hoops oder Gymnastikreifen mit einem Durchmesser von circa 80 cm benötigt und die doppelte Anzahl an Klettbändern, um die Reifen seitlich an den Hürdenauslegern befestigen zu können. Sind keine Agilitygeräte vorhanden, lässt sich mit wenig Aufwand für die leichten Hula-Hoops auch ein Standfuß aus Holz basteln. So kann man zum Beispiel im eigenen Garten Führtechnik trainieren, ohne teure Geräte anzuschaffen – es muss ja nicht immer ein ganzer Parcours sein.

Worauf muss der Trainer achten?

Als Trainer muss man die Handicaps der teilnehmenden Hunde kennen und berücksichtigen. Inwieweit sind sie eingeschränkt in ihrer Bewegung? Sprünge auf, über oder durch Hindernisse sind gestrichen, weiter sind alle Arten von stauchenden Übungen zu vermeiden. Individuell sollte entschieden werden, welche Geräte überhaupt zum Einsatz kommen. In den USA gibt es Hoopers-Varianten, in denen ein Parcours nur aus Hoops zusammengestellt wird. Ein Slalom wird zum Teil nur mit sechs Stangen und/oder größeren Stangenabständen benutzt. Es sollten immer optimale Bedingungen geschaffen werden, damit die Hunde mit Tempo und Spaß, aber ohne unnötige körperliche Belastungen arbeiten können. Bei den Senioren ist umso mehr darauf zu achten, dass Übungseinheiten nicht zu lang, Pausen dagegen ruhig etwas länger ausfallen. Prinzipiell gibt es im gesamten Trainingsaufbau zwei Schwerpunkte, die zu betreuen sind: einerseits der hundesportliche Bereich, mit Planung und Vorbereitung der Parcours und der Läufe, andererseits der gesundheitlich-physiotherapeutische Bereich mit Aufwärmprogramm, Streck- und Dehnübungen der Hunde als Vor- und Nachbereitung, Beobachtung der Hunde mit Blick auf mögliche Überforderung oder Meideverhalten. Jedes Hoopers-Training muss mit einem sorgfältigen Aufwärmprogramm begonnen werden, um Verletzungen durch Zerrungen oder Ähnliches zu vermeiden. Das kann zum Beispiel mithilfe von Cavaletti gemacht werden. Das Motto dabei heißt: „Die Entdeckung der Langsamkeit“, denn die Hunde werden, nachdem der Abstand der Cavaletti für den jeweiligen Hund festgelegt wurde, ganz langsam über die Stangen geführt. Dann kann man durch ein paar Tricks, zum Beispiel das Verbeugen, den Hund dazu bewegen, seine Gliedmaßen aktiv zu stretchen. Abschließend wird der Körper des Hundes warm gerieben, es folgt eine kleine Runde leichter Dauerlauf und das eigentliche Training kann beginnen.

Was bewirkt das Hoopers-Training?

Die Erfahrungen aus der Praxis belegen, dass an erster Stelle die Entwicklung von neuer Lebensfreude bei Seniorhunden das Training mit den Hula-Hoops rechtfertigt. Bedingt durch das zum Teil sehr hohe Alter der teilnehmenden Hunde waren diese schon längst zu Recht auf „Sportentzug“. Damit wurde ihnen jedoch ein lustvolles Hobby genommen, das in einer vergleichbaren Weise bisher nicht ersetzt werden konnte. Sie wurden auch im Alltag lustloser und träger. Mit dem neuen Angebot des Hoopers Agility bietet sich diesen Mensch-Hund-Teams die Chance, wieder aktiv am Hundesport teilzunehmen. Die zu beobachtenden Veränderungen der Hunde sind enorm. Sie werden mit jedem Lauf stolzer und größer. Ihre Augen strahlen vor Begeisterung und sie wirken immer lebendiger. Einem Hundesenior noch so viel Leidenschaft und Spaß anzusehen, ist den Einsatz hundertfach wert. Auch in der Beziehung zwischen den Hunden und ihren Menschen verändert sich etwas. Durch das Hoopers-Agility-Training gieren die Hunde förmlich wieder nach jeder neuen Anweisung ihrer Zweibeiner. Sie werden aufmerksamer und konzentrierter. Sie können es wie in ihrer Jugend kaum erwarten, durch den nächsten Tunnel geschickt zu werden oder den nächsten Hoop zu durchlaufen. Die Bindung der Teams wird wieder enger, durch das begeisterte Lob und die ehrliche Bewunderung ihrer Halter wachsen die Hunde zusehends in ihrem Selbstbewusstsein. Der gesundheitliche Aspekt, der im Hoopers Agility immer wieder mit anklingt, bringt ebenfalls positive Veränderungen mit sich. Die regelmäßige Bewegung, das gleichmäßige Laufen und die aufwärmenden Dehnübungen verschaffen den Hunden wieder mehr Beweglichkeit und Geschmeidigkeit. Die Muskulatur wird wieder mehr beansprucht und somit kann einem schnellen altersbedingten muskulären Abbau zumindest im Ansatz entgegengewirkt werden.

Angelika Schröder…

… Ihr Weg in der Hundewelt führte 1999 von ihrer ersten großen Hundeliebe, den Australian Shepherds, direkt zum Agility. Seit 2004 leitet sie eine private Trainingsgruppe, die Flotte Pfoten Lengende. Mit fortschreitendem Alter ihrer Hunde wurde es ihr zum besonderen Anliegen, angemessene Beschäftigungsalternativen für Hundesport-Senioren zu finden. Fündig wurde sie im Rally Obedience. Für dessen Entwicklung und Verbreitung setzt sie sich intensiv ein und beteiligte sich 2012 an der Erarbeitung des DVG-Regelwerks. Die Entdeckung von NADAC Hoopers Agility und die von ihr vorgenommene Anpassung der amerikanischen Version, speziell auf die Bedürfnisse ehemaliger Agility-Hunde, rundet nun ihr hundesportliches Angebot ab. Weitere Informationen: www.flotte-pfoten-lengede.de http://www.nadac.com/hoopers-agility-description.htm

Nina Gramer…

… geboren 1983, fühlt sich in mehreren Bereichen der Hundeausbildung zu Hause. Nicht zuletzt durch ihre eigene Setter Hündin inspiriert, gilt dabei ihre größte Leidenschaft dem Jagdverhalten. Sie trainiert Hundehalter und Hunde jeden Alters, arbeitet mit verhaltensauffälligen Hunden, trainiert eine Flyball-Mannschaft und läuft selbst im Hoopers Agility. Dort liegt ihr, bedingt durch die lange Krankheitsgeschichte ihrer Hündin, besonders der gesundheitliche Aspekt dieser Sportart am Herzen. Schulungen im Cavaletti-Training und Tellington Touch ließen sie aufmerksam werden auf ein schonendes und gesundheitsförderndes Arbeiten im Hundesport. Mit diesem Wissen unterstützt sie nun die hundesportliche Ausbildung im NADAC Hoopers Agility für ehemalige oder gehandicapte Agilityhunde.