Schilddrüsenhormone und Verhalten

+++ LESEPROBE aus der SPF Sonderausgabe „Hundeprobleme“ +++

Von Dr. Ute Blaschke-Berthold

 

Stellenwert für die Verhaltensveränderung

Verhalten hat immer mehrere Ursachen, äußere und innere, aktuelle und zeitlich weiter entfernte, bedingende Faktoren und Konsequenzen. Diese Erkenntnis verdanken wir Niko Tinbergen, einem Vertreter der klassischen Ethologie, die im vergangenen Jahrhundert begründet worden ist. Warum aber suchen auch heute noch so viele Menschen nach der einen Ursache für Probleme? Menschen wollen einfache Erklärungen und Lösungen, die es in einer komplexen Welt nicht geben kann. Lebewesen sind extrem komplex, ihre Systeme arbeiten auf mehreren Ebenen, verschachtelt, miteinander kommunizierend und in beständigem Austausch mit der Außenwelt.

Kein Zweifel kann daran bestehen, dass Hormone einen starken Einfluss auf Verhalten haben. Dies gilt auch für die Hormone der Schilddrüse, Thyroxin (T4) und Triiodothyronin (T3). Schilddrüsenhormone haben viele verschiedene Funktionen, vor allem haben sie großen Einfluss auf die Stoffwechselrate. Außerdem regulieren sie alle anderen Hormone entweder bereits während ihrer Produktion oder aber in ihrem Wirkungsgrad.

Über solche Regulationsprozesse haben Schilddrüsenhormone einen immensen Einfluss auf Botenstoffe im Gehirn. Sie regulieren insgesamt die Aktivität des Nervensystems.

Die Gehirnareale, die funktional zum limbischen System miteinander verbunden sind, haben die höchste Rezeptordichte für Schilddrüsenhormone im ganzen Körper; dies unterstreicht die Bedeutung der Schilddrüsenhormone für das Nervensystem. Das limbische System ist das emotionale Gehirn der Säugetiere, es erzeugt und reguliert emotionales Verhalten. Darüber hinaus beeinflusst es direkt die Schnittstelle zum Hormonsystem, den Hypothalamus.

Der Spiegel des aktiven Schilddrüsenhormons T3 wird im Gehirn so lange wie möglich aufrechterhalten, auch wenn die Werte im Blut bereits sinken. Das Gehirn braucht zur Aufrechterhaltung seiner Funktionen unbedingt Schilddrüsenhormone.

Im Detail untersucht ist z. B. der Einfluss der Schilddrüsenhormone auf die Neurotransmitter Serotonin und Dopamin. Dies sind breit wirkende Neurotransmitter, die eine bedeutende Rolle für emotionale Regulation, Motivation und Bewegung spielen. Serotonin und Dopamin werden sowohl in Synthese als auch in Bezug auf ihre Wirksamkeit von Schilddrüsenhormonen reguliert. In Verbindung mit einem Mangel oder einer schwachen Wirksamkeit dieser Botenstoffe stehen Angst, Aggression und Antriebsschwäche.

Schilddrüsenhormone mischen überall mit – von der Befruchtung bis zum Tod ist jedes Gewebe im Körper abhängig von einer ausreichenden Menge an Schilddrüsenhormone.

Das ist beeindruckend und erklärt, weshalb ein Mangel an Schilddrüsenhormonen zu sehr verschiedenen Symptomen führen kann. Es erklärt zugleich aber auch, weshalb es kritisch ist, den Körper mit diesen Hormonen im Übermaß zu versorgen.

 

Schilddrüse_apnskp_shutterstock

Faktoren, die Verhalten beeinflussen

Jede Erkrankung wirkt sich auf Verhalten aus, die ersten Symptome sind meist Verhaltenssymptome. Besonders hormonelle Störungen wie Schilddrüsenunterfunktion, Morbus Cushing (zu viel Cortisol) und Morbus Addison (zu wenig Cortisol) haben einen allgemeinen Effekt auf die emotionale Lage, auf die Stimmungen des Tiers.

Prinzipiell ist es wichtig, bei plötzlich erscheinenden Verhaltensveränderungen zuerst einen Veterinärmediziner zu konsultieren, denn Verhaltensprobleme haben oft einen medizinischen Hintergrund. Die Betonung liegt hierbei klar auf „plötzlich“! Doch die Einschätzung der Verhaltensentwicklung ist nicht einfach. Während der Jugendentwicklung des Hundes können Verhaltensveränderungen auch ohne medizinischen Hintergrund sehr schnell auftreten. Außerdem ist so mancher Hundehalter von einem Verhalten überrascht, weil er es nicht erwartet und demzufolge auch die Vorboten nicht wahrgenommen hat.

In den meisten Fällen problematischen Verhaltens gehen verschiedene Ursachen Hand in Hand. Es ist ein großer Fehler, den Fokus auf die Schilddrüsenhormone allein zu legen und sämtliche Veränderungen nur durch diese Brille zu betrachten.

 

Verschlechterung bereits bestehender Verhaltensprobleme

Akute Verschlechterungen besonders bei Angst und Aggression stehen oft im Zusammenhang mit körperlichen Veränderungen. Eine dieser Veränderungen ist die Entwicklung einer Schilddrüsenunterfunktion. Prinzipiell aber kann jede Infektion, jede beliebige Erkrankung und vor allem Schmerz zur Verschlechterung bereits bestehenden Problemverhaltens führen – auch wenn dieses bereits bearbeitet wird.

Ein deutlicher Hinweis auf eine medizinische Ursache ist, wenn das Verhalten über einen längeren Zeitraum nur wenig schwankte, sich dann aber deutlich verschlechtert.

Schwieriger ist die Einschätzung in Fällen, in denen Schwankungen bereits öfter aufgetreten sind oder wenn diese Schwankungen innerhalb eines Trainingsprozesses auftreten. Verschlechterungen sollten immer genau unter die Lupe genommen werden. Dies gilt besonders für:

– Ängstlichkeit

– Angst

– unprovozierte Aggression

– besonders irritierbar / schreckhaft

– exzessives Verhalten

– Zwangsstörungen

– Hyperaktivität

– Verlangsamung beim Lernen

– epileptiforme Anfälle

Nicht nur Erkrankungen können zur Verschlechterung beitragen, sondern auch Training und Lebensumstände spielen eine bedeutende Rolle.

(…)

 

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