Geruchsidentifikation und Geruchsunterscheidung

#Leseprobe aus der SPF 34!

Von Jacqueline Koerfer

 

 

Gerade die Geruchsidentifikation bietet viele gute Möglichkeiten, um eine schöne und – wie bei jeder Form der Nasenarbeit – artgerechte Zeit mit dem Hund zu verbringen. Sie eignet sich auch hervorragend für Hunde mit einem Handicap, für energiegeladene Teenies, für Senioren oder einfach für ungemütliche Wintertage.

 

Wie sage ich es dem Hund?

Bei der Nasenarbeit kann nur mit positiver Verstärkung gearbeitet und nichts erzwungen werden. Das Prinzip besteht darin, dem Hund zu vermitteln, dass ein bestimmtes Geruchsmuster einem bestimmten Stoff entspricht. Diese Verknüpfung ist das A und O der Geruchserkennung. Wissenschaftler versuchen seit geraumer Zeit, das Prinzip der Mustererkennung mit einer elektronischen Nase nachzuahmen, aber bis jetzt ohne großen Erfolg.

Sowohl bei der Hundenase als auch bei der elektronischen Nase kommt es auf das richtige Anlernen an, damit das Geruchsmuster im Gehirn eindeutig einem Stoff zugeordnet wird.

Der Hund ist der elektronischen Nase dank seiner großen Anzahl an Geruchsrezeptoren weit voraus, denn diese sind dazu in der Lage, extrem feine Geruchsmuster zu erstellen. Deshalb ist es sehr wichtig, die Proben, die zum Anlernen verwendet werden, mit größter Sorgfalt vorzubereiten, um Interferenzen und somit Fehler zu vermeiden.

Das Verknüpfen des Geruchsmusters (das im Gehirn erarbeitet wurde) mit dem tatsächlichen Geruch setzt ein exaktes Timing der Bestätigung durch den Menschen voraus. Dies geschieht am besten mit dem Clicker oder einem Markersignal (ein Bestätigungswort wie „Yep“, „Click“, „Ja“, „Fein“).

Da wir bei der Nasenarbeit nicht wissen, was der Hund gerade in dem Moment riecht, wenn er sucht, können wir das Suchen an sich nicht belohnen, sondern nur das Finden. Zu Beginn weiß der Hund schließlich noch gar nicht, was wir von ihm wollen, deshalb sollte da bereits ein kurzer Blick aus dem Hundeaugenwinkel belohnt werden.

Wenn dieses Verhalten oft bestärkt wurde, dann wird es immer häufiger auftreten, und das ist unser Ziel bei der Nasenarbeit: Der Hund soll uns trotz vieler verschiedener Ablenkungen immer den richtigen Geruch anzeigen. Dem Management der Umgebung oder des Umfeldes fällt beim Training mit positiver Verstärkung eine ganz besondere Bedeutung zu. Oft kann durch Managementmaßnahmen unerwünschtes Verhalten verhindert werden.

 

Unterschied zwischen Geruchsidentifikation und Geruchsunterscheidung

Die Geruchsdetektion ist die Identifikation eines bestimmten Geruchsstoffs. Dieser Geruchsstoff kann isoliert sein, also nur aus einem einzelnen Molekül bestehen, oder es kann sich dabei um ein Gemisch von Molekülen handeln. Auch eine Objektsuche oder Verlorensuche ist eine Geruchsidentifikation.

Bei der Geruchsunterscheidung macht die Hundenase einen Abgleich; sie soll aus verschiedenen ähnlichen Gerüchen den Zielgeruch herausriechen und anzeigen. Jede Geruchsunterscheidung fängt erst einmal mit der Detektion an, also dem Auffinden des Zielgeruchs.

Der Hund vergleicht das Geruchsmuster laufend mit den Mustern, die er schon gespeichert hat, und wenn beide Muster übereinstimmen, kommt die positive Rückmeldung. Diese kann gleichzeitig oder verzögert erfolgen.

Die Hundenase ist so leistungsfähig, dass sie in einem Moment den von uns gewünschten Zielgeruch detektieren und identifizieren und im nächsten Moment einen anderen Zielgeruch suchen kann. Unsere Aufgabe besteht darin, dem Hund verständlich zu machen, was wir gerne haben möchten, wobei wir nicht sehen können, was der Hund auf seinem Weg zur Anzeige alles riecht. Wir sehen nur das Resultat, das hoffentlich richtig ist; und wenn es falsch ist, dann müssen wir erkennen, wo wir dem Hund eine falsche Verknüpfung beigebracht haben (daher die Bedeutung von sauberem Lernstoff und richtigem Timing), und diese korrigieren.

 

Belohnung bei der Nasenarbeit – wichtig!

Die Belohnung ist ein positiver Verstärker, der dazu führt, dass ein zuvor gezeigtes Verhalten wahrscheinlicher auftritt. Ziel bei der Nasenarbeit ist, dass der Hund immer das Richtige anzeigt.

Generell kann man sagen, dass man den Hund mit allem belohnen kann, mit dem er sich lieber beschäftigt als mit dem, was er gerade tut.

 

Wertigkeit der Belohnung

Eine Belohnung ist sehr individuell, situationsabhängig und hängt zudem von der Schwierigkeit des Verhaltens ab. Bei der Nasenarbeit könnte ein einfaches „Sitzen“, bevor der Hund an die Arbeit geschickt wird, mit seinem Trockenfutter belohnt werden, weil es ein „billiges“ Verhalten für den Hund ist, das er bereits kennt. Ein längeres, ruhiges „Sitzen“ als Anzeige nach der richtigen Entscheidung verlangt hingegen mehr Konzentration, weshalb man dann auch zu einer besseren Belohnung greifen sollte, wie zum Beispiel Putenbrust oder drei kleinen Belohnungen hintereinander. Es ist also eher ein „teures“ Verhalten für den Hund. Dieses Vorgehen wird auch als differenziertes Belohnen bezeichnet. Die Motivation des Hundes hängt von dem Verlangen ab, diesen Verstärker im jeweiligen Moment trotz anderer Ablenkungen zu bekommen.

 

Präsentation der Belohnung = Futterpunkt

Auch die richtige Präsentation des Verstärkers ist sehr wichtig. Dafür nutzen wir das 4-W-Konzept: wo, wann, wie und wie viel. Nehmen wir als Beispiel folgendes Verhalten bei der Geruchsunterscheidung: „Zeige mir die richtige Dose durch Auflegen der Nase auf der Dose an.“

  • WO: … beschreibt den Fütterungspunkt. Die Belohnung sollte in unmittelbarer Nähe zu der richtigen Dose gegeben werden, am besten über der Dose.
  • WANN: … exakt dann, wenn das Kriterium erfüllt ist, in diesem Fall, wenn der Hund die richtige Entscheidung getroffen hat und die Nase sich auf der Dose befindet.
  • WIE: Das Leckerchen sollte aus dem Nichts auftauchen, aus der sogenannten Nullposition, und genau dann da sein, wenn das gesetzte Kriterium erfüllt wurde.
  • WIE VIEL: Für eine prompte und schöne Ausführung des Verhaltens kann man drei Belohnungen hintereinander geben. Für eine etwas zögerliche, aber dennoch gute Ausführung bekommt der Hund nur eine Belohnung, und wenn er die Erwartungen, also die gesetzten Kriterien, übertrifft, dann bekommt er ein Spiel zur Belohnung oder etwas ganz Tolles.

 

Belohnungsrate

Die Belohnungsrate muss hoch genug gehalten werden, sonst wird der Hund andere Aktivitäten finden, die sich mehr lohnen oder mehr Spaß machen. Belohnungsrate heißt, die Belohnung muss so oft gegeben werden, dass die Motivation, die Belohnung zu bekommen, erhalten bleibt. Dazu wird das Training in kleine Schritte eingeteilt, sodass der Hund oft zum Erfolg kommen kann. Dies ist gerade in der Nasenarbeit sehr wichtig!

 

Zusammenfassung

  • Testen, was im jeweiligen Moment mit der jeweiligen Ablenkung eine perfekte Belohnung für den Hund darstellt.
  • Schauen, wie hoch die Wertigkeit des Verstärkers ist.
  • Ohne Hund ausprobieren, wo der beste Fütterungspunkt ist und von wo die Belohnung auftaucht.
  • Die Belohnungsrate hochhalten, indem sehr kleine Trainingsschritte gemacht werden (am besten mit einem Trainingsplan).
  • Sich vergegenwärtigen, dass der Vierbeiner eine Berechnungsmaschine ist.

  

Nasenarbeit besteht aus zwei Verhalten

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