Entspanntes Silvester

shutterstock_198809537(1)Von Rolf C. Franck

Für viele Haustiere sind die üblichen Silvesterfeierlichkeiten jedes Jahr aufs Neue purer Stress. Schon Tage vorher beginnt mancherorts das Geknalle und verschreckt sensible Vierbeiner. Vor allem bei Hunden gehört die Angst vor lauten Geräuschen zu den häufigsten Ängsten, sie wird bei den meisten außerdem von Jahr zu Jahr schlimmer. Um gerade das zu vermeiden ist es wichtig, frühzeitig aktiv zu werden um nicht am Silvesterabend hilflos zusehen zu müssen, wie das eigene Tier leidet.
Wenn Sie mit einem Hund zusammenleben, der bereits eine Angst vor Feuerwerk entwickelt hat, können Sie versuchen seine Strategien zur Angstbewältigung zu unterstützen oder ihm neue anzubieten. Viele Hunde verkriechen sich z.B. an einem höhlenartigen Ort unter dem Bett oder Sofa, im Keller oder ähnliches. Helfen Sie einem solchen Hund, indem Sie einen sicheren Ort für ihn schaffen. Sie können ihn schon im Vorfeld an eine Box gewöhnen, in die er sich zurückziehen kann und diese an Silvester mit einer Decke abhängen, denn so werden optische und akustische Reize ein wenig abgeschirmt. Sucht Ihr Hund bei ihnen Schutz, helfen Sie ihm durch ruhiges Zureden, Streicheln, TTouches oder eine beruhigende Massage. Sie können z.B. die Ohrmuscheln des Hundes so kraulen, dass er Geräusche von außen weniger mitbekommt.
Vergessen Sie Ratschläge, die das Ignorieren ängstlichen Verhaltens empfehlen. Sie brauchen nicht zu befürchten die Ängste ihres Hundes durch Aufmerksamkeit zu verstärken, so lange Sie dabei selbst ruhig und gelassen wirken. Im Gegenteil – die größte Gefahr bei Angstproblemen besteht darin, dass das Tier sich hilflos fühlt und keine Lösung für seine Situation hat. Wenn es dagegen weiß, dass es auf Ihrem Schoß, in Ihrem Bett oder sogar unter der Bettdecke in Sicherheit ist, lässt sich die Situation leichter ertragen.

shutterstock_113524399Da viele Kinder und Jugendliche schon Tage vor Silvester mit Knallern experimentieren, sollten Sie ihren ängstlichen Hund lieber nur noch angeleint Spazieren führen. Es passiert leider häufig, dass Hunde sich erschrecken und in Panik davon laufen.

Wenn Sie mit einem jungen Hund das erste Mal Silvester verbringen, können Sie bereits vorbeugende Maßnahmen ergreifen um das Entstehen von Ängsten zu verhindern. Auch wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Vierbeiner das Spektakel gut wegsteckt, sollten Sie dafür sorgen, dass er möglichen Stress abbauen kann. Ähnlich wie Menschen in stressigen Situationen Kaugummi kauen, wirkt Kauen auch auf Hunde sehr beruhigend. Ein mit Futter gefüllter KongR ist deshalb eine ideale Möglichkeit für den Hund, um sich zu entspannen. Den KongR sollte der Hund jedoch vorher schon kennengelernt haben, bevor Sie ihn dann einsetzen können, wenn es kritisch wird.
Eine beruhigende Wirkung hat auch das sogenannte Thundershirt, welches eng am Körper anliegt und so einen konstanten, sanften Druck ausübt. Vielen Hunden hilft dieses Körpergefühl dabei sich zu entspannen, es ist jedoch ratsam, den Hund auch an dieses Hilfsmittel schon vorab zu gewöhnen.

Erfahrungsberichten zufolge sprechen viele Hunde auf den beruhigenden Effekt von Pheromonen (DAP, Dog Appeasing Pheromone/Adaptil-Spray) an, die Sie als Halsband oder Zerstäuber in der Tierarztpraxis bekommen können. Verschiedene Nahrungsergänzungsmittel wie Zylkene oder Adaptil-Tabletten, Kräutermischungen und Aromaöle können ebenfalls bei leichten Ängsten sehr hilfreich sein. Ist die Angst ihres Hundes bereits so stark, dass Sie ihm auch durch weitere Maßnahmen wie eine abgedunkelte Hundebox, heruntergelassene Fensterläden, laute Musik u.ä. überhaupt nicht helfen können, sollten Sie mit Ihrem Tierarzt über den Einsatz von Medikamenten sprechen.

Abzuraten ist vom in anderen Bereichen sehr nützlichen Wirkstoff Acepromazin (z.B. Vetranquil®, Sedalin®). Er wird leider immer noch häufig von Tierärzten für Silvester verordnet, obwohl er den Hund nur körperlich ruhig stellt. Gleichzeitig wird jedoch die Geräuschempfindlichkeit sogar gesteigert und der Hund leidet weiter unter seiner Angst, kann sich aber kaum rühren, was leicht zu einem traumatischen Erlebnis werden kann. Fragen Sie ihren Tierarzt bei schlimmer Silvesterangst lieber nach Diazepam (Valium), welches z.B. in England seit Jahren sehr erfolgreich bei Feuerwerksangst eingesetzt wird. Zusätzlich zur angstlösenden Wirkung wird durch diesen Wirkstoff das Erinnerungsvermögen des Hundes blockiert und so verhindert, dass sich seine Angst weiter verschlimmert.
Achtung! Über eine solche medikamentöse Behandlung und die richtige Dosis muss ein Tierarzt entscheiden!Klären Sie frühzeitig vor Silvester eine mögliche Behandlung mit ihm, da es evtl. sinnvoll ist, das Medikament vor dem Jahreswechsel testweise zu geben.

Falls Sie die Möglichkeit dazu haben, ist ein Kurzurlaub über Silvester an einem abgelegenen Ort für ihren Hund sicher eine für alle Beteiligten angenehme Alternative.

 

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