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Ciao, ciao, Dose, adios, Tüte!

28. September 2017 | By More

Rohfütterung für Hunde

Von Silke Böhm

 

Wer gern gesund und frisch kocht, weiß: Abwechslung auf dem Teller ist das A und O einer guten Ernährung. Das ist beim Hund vermutlich nicht anders. Und es ist einfach, dem eigenen Vierbeiner ein gutes, leckeres und gesundes Futter anzubieten.

Klar ist das Füttern von industriell gefertigtem Futter aus der Dose oder der Tüte eine einfache Angelegenheit. Man nehme einen Löffel oder eine Hand voll davon und gibt es in den Napf. Der Hund ist scheinbar mit allem versorgt. Und viele mögen und vertragen Fertigfutter auch gut. Hat man jedoch einen „Murrhansel“ im Haus, der das Fertigfutter nicht annimmt, oder gar einen Allergiker, ist Handeln angesagt.

 

Rohfuetterung_JRTIn der Regel beginnt dann eine große Irr-Reise durch die Fertigfutterlandschaft. Angebrochene Trockenfuttertüten stapeln sich, geöffnete und abgelehnte Dosen mit Nassfutter wandern vom Kühlschrank über einen kurzen Abstecher in den Napf geradewegs in den Abfalleimer. Der Hundebesitzer kann irgendwann die Deklarationen des Fertigfutters rezitieren wie ehemals „Die Glocke“. Das geht gewaltig auf den Geldbeutel und der Besitzer macht sich darüber hinaus auch noch Sorgen um die Gesundheit von Fiffi, Arco und Waldi.

Spätestens dann kommt der Gedanke auf, man könne eine andere Art von Fütterung ausprobieren. Nämlich komplett frisch! Eine Hürde für diese Fütterung ist der vermeintlich große Aufwand. Doch wenn man erst einmal in der Routine ist und sich die überwiegenden Vorteile vor Augen führt, ist man gern bereit, einen dann doch eher kleinen Mehraufwand für den „besten Freund des Menschen“ auf sich zu nehmen.

Auch die Kosten sind ein wesentlicher Punkt, der für das Frischfüttern spricht. Wenn man nach einiger Zeit die örtlichen Bezugsquellen herausgefunden hat, saisonales und regionales Obst und Gemüse füttert, werden die Kosten für die Hundefütterung drastisch fallen. Suchen Sie Freunde und Bekannte zusammen. Durch Sammelbestellungen können Sie sowohl im Internet als auch in Schlachthöfen die Preise senken.

In der Regel wird in Tiernahrungsgeschäften schieres Muskelfleisch, Maulfleisch, Pansen, Blättermagen, Herz, Schlund, Leber und Mischfleisch vom Rind angeboten. Manchmal findet man auch Geflügelfleisch. Geeignet sind aber auch Lamm und Pferd. Im Prinzip ist jedes Fleisch zur Fütterung geeignet – natürlich auch Wild. Auf Schweinefleisch (ob Wild- oder Haustier) sollte man jedoch prinzipiell verzichten. Die Borstentiere können das für Hunde tödliche Aujeszky-Virus weitergeben. Zwar gilt Deutschland als Aujeszky-Virus-frei, aber es wurden in der jüngsten Vergangenheit einige Fälle von verstorbenen Hunden durch das Virus bekannt. Dabei handelte es sich zwar ausnahmslos um Jagdhunde, die mit Wildschweinen in Kontakt gekommen sind, dennoch sollte man diese Vorsichtsmaßnahme unbedingt beherzigen.

Besonders gern wird Pansen von Hunden angenommen. Dabei sollte man möglichst zu grünem, also ungewaschenem Pansen greifen. Er enthält vorverdaute Nahrungsbestandteile, die der Hund exzellent verwerten kann. Herz ist – entgegen häufiger Annahmen – keine Innerei, sondern gehört zum Muskelfleisch. Leber sollte alle zwei Wochen auf dem Speiseplan stehen. Sie versorgt den Hund mit ausreichend Vitamin A.

 

Wie frisch gefüttert wird

Wie das Fleisch gefüttert wird, ist individuell verschieden. Manche Hunde mögen keine großen Brocken, andere hingegen lieben sie. Wieder andere nehmen freiwillig kein Gemüse auf, sodass es nötig ist, Fleisch und Gemüse gemeinsam zu pürieren. Auch Fische – ruhig im Ganzen mit Gräten und bevorzugt im Freien – können verfüttert werden. Thunfisch, Sardinen und Co. aus der Dose sollten wegen des hohen Salzgehalts abgewaschen werden. Allerdings sind die meisten Hunde wild auf die Fischöle, sodass man ihnen diese ab und an gönnen sollte.

Der Hund kann Obst und Gemüse nicht ohne Weiteres aufschließen und somit verwerten. Sie müssen daher entweder püriert oder kurz angedünstet werden. Da beim Dünsten jedoch Vitamine verloren gehen, sollte das Pürieren favorisiert werden. Besonders häufig sollten grüne Gemüsearten wie Salate, Zucchini oder Salatgurken im Hundefutter Verwendung finden. Sie enthalten viel wertvolles Chlorophyll. Und das ist ausgesprochen gesund für den Vierbeiner. Im Prinzip dürfen aber nahezu alle Gemüsesorten angeboten werden. Es gibt nur wenige Ausnahmen (siehe „Negativliste“).

 

Alltagstipp: Wenn Sie Gemüse und Salat für das Familienessen putzen, werfen Sie die Reste nicht weg. Gewaschen und püriert sind sie für die Hundemahlzeit noch geeignet. Das gilt selbstverständlich nicht für verdorbene Reste.

 

Die meisten Hunde vertragen auch Kohl und Hülsenfrüchte. Doch kann es hier zu Blähungen und unerwünschten „Winden“ kommen. Angedünstet sind sie für den Verdauungstrakt des Hundes viel bekömmlicher. Nachtschattengewächse, wie Tomaten und Paprika, enthalten das für den Karnivoren giftige Solanin. Aubergine sollte prinzipiell nicht verfüttert werden. Der Solaningehalt ist für den Hund zu hoch. Obwohl die Kartoffel auch zu dieser Gruppe gehört, kann sie gekocht sehr wohl in den Napf gegeben werden. In unserer „Hundeküche“ ist der Erdapfel einer der Hauptbestandteile. Kartoffel wird in der Regel von den Hunden auch sehr gern gemocht.

Alle Zwiebelgewächse wie Lauch, Frühlings- oder Gemüsezwiebeln sollen dringend vermieden werden. Sie enthalten Schwefelverbindungen, die – dem Hund in größeren Mengen verabreicht – schaden können. Auch die Avocado gehört nicht in den Napf. Sie enthält die für den Hund giftige Substanz Persin. Weintrauben sollten dem Hund auf keinen Fall gegeben werden. Bei Steinobst muss der Kern entfernt werden. Er ist wegen der Blausäure schädlich für den Hund. Allerdings macht hier und da die Menge das Gift. Wenn man der Meinung ist, Knoblauch wehre Zecken und Flöhe ab, ist es absolut bedenkenlos, wenn man hin und wieder eine kleine Zehe oder etwas Knoblauchgranulat verfüttert. Milch und Milchprodukte sind für die Ernährung des Hundes nicht relevant. Viele können sie sogar nicht vertragen und bekommen Verdauungsschwierigkeiten. Es gibt jedoch auch Hunde, die zum Beispiel Frisch- oder Hüttenkäse, Quark oder Joghurt als Delikatesse ansehen. Wenn diese Produkte vertragen werden, spricht nichts dagegen, wenn Sie mal einen Löffel davon unters Futter mischen. Sahne kann bei abgemagerten Vierbeinern als probates Aufpäppelungsmittel gegeben werden. Die meisten Hunde mögen sehr gern Käse. Mal hier und dort als Trainingsbelohnung eingesetzt, ist auch nichts dagegen zu sagen. Hart- und Schimmelkäse sollten jedoch nicht auf dem täglichen Speiseplan des Hundes stehen. Wegen des hohen Salzgehaltes sollte der Hund nur wenig Käse bekommen. Entgegen aller Vorurteile verliert er aber nach dem Genuss eines Stückchens Käse nicht seinen Geruchssinn.

 

Die Knochenmahlzeit

Knochen sind ein wichtiger Bestandteil in der Frischfütterung. Sie dürfen aber niemals gekocht, gebraten oder gegrillt verfüttert werden. Erwärmte Knochen können splittern und so den Hund innerlich verletzen. Auch rohe Röhrenknochen, zum Beispiel vom Huhn oder von der Pute (Flügel/Beine), sollten wegen der Splitterungsgefahr nicht angeboten werden.

Mit allen anderen rohen Knochen hingegen wird der Hund mit Kalzium, Enzymen, Fetten, Proteinen und Mineralstoffen versorgt. Knochenmahlzeiten sollten erst vorgesetzt werden, wenn sich das Verdauungssystem des Hundes auf die Frischnahrung eingestellt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt muss auf eine kalziumreiche Ernährung geachtet werden. Viel Kalzium befindet sich zum Beispiel in Eierschalen, die zerkleinert in das Futter gegeben werden. In der Apotheke bekommt man Kalziumzitrat, das auch als Knochenersatz verwendet werden kann. Ein ausgewachsener, gesunder Hund benötigt pro kg Körpergewicht pro Tag 50 Milligramm Kalzium.

Für den Anfang entscheidet man sich für Knorpel und weiche Knochen, die der Hund gut zerkauen kann, sodass er sich an die Knochenmahlzeit gewöhnt. Knorpel zählt nicht zu den Knochen und enthält nicht besonders viel Kalzium. Hier eignen sich besonders rohe Hühner- und Putenhälse oder Schlund vom Rind. Weiche Kalbsknochen sind ebenso geeignet für den Anfänger. Für den geübten Hund sind Markknochen, Beinscheiben vom Rind oder Ochsenschwänze eine Herausforderung. Manche Hunde reagieren auf Knochenmahlzeiten mit weißem, bröseligem Kot, bei dem das Tier Schwierigkeiten beim Absetzen hat. Man verhindert diesen Knochenkot, indem gleichzeitig viel Fleisch gegeben wird. Neigt der Hund dennoch zu „Absatzschwierigkeiten“, sollte man die Knochenfütterung sofort einstellen und zu Eierschalen oder Ergänzungspräparaten greifen, um die Kalziumzufuhr zu gewährleisten.

 

Ergänzungen

Zur optimalen Versorgung ist kein Getreide nötig. Das Verdauungssystem des Hundes kann Getreide nämlich gar nicht verwerten. Es gibt Hundehalter, die Getreide als „Magenfüller“ zugeben. Dabei sei darauf hingewiesen, dass Getreide entweder gekocht oder zumindest zum Quellen gebracht werden muss, bevor man es dem Hund in den Napf gibt. Als Schonkost während und nach Durchfällen oder anderen Krankheiten wird häufig empfohlen, zerkochten Reis zu Hühnchen oder Fisch zu füttern. Das kann man bedenkenlos machen. Neben den Hauptbestandteilen Fleisch und Gemüse können Ergänzungsfuttermittel gegeben werden. Dazu gehören zum Beispiel Kräuter, aber auch Nüsse und weitere Zusätze.

 

Öle

Öle sind bei der Frischfütterung sehr wichtig. Denn einige Gemüsesorten, wie die Möhre, können ohne Öle nicht verwertet werden. Da der Hund bei der Frischfleischfütterung einen hohen Anteil an Omega-6-Fettsäuren zu sich nimmt, müssen Öle mit einem hohen Anteil von Omega-3-Fettsäuren zugegeben werden. Diese beiden Fettsäuren sind quasi Gegenspieler und müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Deshalb sollte man vornehmlich die Mahlzeiten mit Ölen anreichern, die einen hohen Omega-3-Fettsäurengehalt haben. Dazu gehören: Walnuss-, Raps-, Flachs-, Lein- oder Leinsamenöl sowie Fisch- und Hanföl. Jagdhunde, die größtenteils mit Wild gefüttert werden, brauchen nicht so viele Omega-3-Fettsäuren, da Wildbret wenige Omega-6-Fettsäuren enthält und man in diesem Fall nicht „gegensteuern“ muss.

 

Wichtig zu wissen: Der Hund braucht nicht täglich alle Bestandteile einer gesunden Ernährung. Über längere Sicht müssen Mineralien, Vitamine, Kalzium aber ausgewogen gefüttert werden.

 

Wer sich noch nicht so recht traut, zur Frischfleischfütterung zu wechseln, kann auch das Fertigfutter mit Zusätzen hochwertiger gestalten. So kann man dem Hund mal einen Löffel Hüttenkäse unter das Nassfutter geben oder das Trockenfutter mit etwas Öl oder einem Ei anbieten. Freude und Spaß an der Hundefütterung stehen sowieso auf beiden Seiten – sowohl beim Hund als auch beim Halter – im Vordergrund! Wenn Sie mit dem Aufpeppen von Fertigfutter beginnen, werden Sie sehr schnell auf den Geschmack kommen und möchten vielleicht noch mehr über eine artgerechte Ernährung wissen. Viele, die heute ihren Vierbeiner mit frischen Leckereien verwöhnen, sind auf diesem Weg schrittweise zur Rohfütterung gekommen.

 

Negativliste auf einen Blick

Hülsenfrüchte

Erbsen, Linsen und Bohnen sind schwer verdaulich und können zu Blähungen und Krämpfen führen. Gekocht können Hülsenfrüchte in kleinen Mengen durchaus verfüttert werden.

Nachtschattengewächse

Tomaten, Auberginen, Paprika und Peperoni enthalten im unreifen Zustand das Toxin Solanin. Tomaten sowie rote und gelbe Paprika kann man in sehr reifem Zustand in geringen Mengen füttern. Auberginen immer vermeiden. Gekochte Kartoffeln kann man ohne Bedenken anbieten.

Zwiebelgewächse

Lauch, Porree, Frühlingszwiebeln, Schalotten und Knoblauch enthalten Solanin und sind nicht geeignet für den Hund. Es ist allerdings umstritten, ob Knoblauch für den Hund ungeeignet ist. In geringen Mengen soll er unbedenklich und gegen Flöhe und Zecken wirksam sein.

Kohl

Kohl ist schwer verdaulich und kann zu Blähungen und Krämpfen führen. Gekocht werden die Kohlsorten in der Regel gut vertragen und können zugefüttert werden.

Avocado

Manche Sorten enthalten das Toxin Persin. Das kann tödlich für den Hund sein.

Weintrauben

Können Nierenschäden bewirken. Auch Rosinen sind nicht zur Verfütterung geeignet.

Obstkerne

In Obstkernen befindet sich tödliche Blausäure. Auch im Garten und in der Natur darauf achten, dass der Hund kein Kernobst aufnimmt.

Schokolade/Kakao

Das enthaltene Alkaloid wirkt auf die Herz-Kreislauf-Funktionen von Hunden negativ. Kann im schlimmsten Fall tödlich sein.

 

 

Buchtipp_RohfuetterungWelche Mengen benötigt der Hund?

In der Annahme, dass der Hund drei Prozent seines Körpergewichts an Futter bekommt, gilt folgende Berechnung:

Körpergewicht in kg x 0,03 ergibt die Gesamtfuttermenge in Kilogramm

Körpergewicht in kg x 0,01 ergibt den Fleischanteil in Kilogramm

Körpergewicht in kg x 0,02 ergibt den Obst-/Gemüseanteil in Kilogramm

Dies ist allerdings nur ein Richtwert. Je nach Lebensumständen, Beanspruchung, Alter oder Tagesform können die Rationen nach oben oder unten korrigiert werden.

 

Silke Böhm…

… beschäftigte sich sehr intensiv mit der Rohfütterung – auch, weil ihr eigener Hund an einer Allergie litt. Mithilfe von Frau Dr. Monika Linek, die das Kapitel „Allergien“ ausführlich beschreibt, bekam sie das Problem sehr schnell in den Griff. Die Diplom-Soziologin und Jägerin arbeitet als Redakteurin für ein Fachmagazin. Ihr Buch „Rohfütterung für Hunde“ ist 2016 in komplett überarbeiteter Neuauflage im Cadmos Verlag erschienen +++ versandkostenfrei bestellbar im Cadmos-Shop!

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Category: Hundeernährung

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