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Leinenaggression: Es ist nicht immer das, wonach es aussieht

14. Juli 2017 | By More

Von Katrien Lismont

+++ LESEPROBE aus der SPF 28 +++

 

Sie werden immer mehr, die Hunde, die für Verhaltenstraining angemeldet und als „Leinenpöbler“ vorgestellt werden. Schon im ersten Gespräch kommen oft noch diverse andere Baustellen zutage: Manche Hunde haben zusätzlich ein Jagdproblem, andere gelten als nicht lernfähig und unmotivierbar, einige werden mit dem Etikett „hyperaktiv“ beschrieben. Das sind die großen, offensichtlichen Verhaltensthemen, die sehr häufig beim gleichen Hund aufeinandertreffen. Aber meist stecken noch mehr Teufelchen in kleineren Details.

 

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Ursache oder Symptom?

Oft sind diese unerwünschten Verhaltensweisen die Folge davon, dass sich einige Aspekte des Hundelebens in einer Schieflage befinden. Und diese haben nicht direkt etwas mit der Leinenaggression oder Aggression an sich zu tun. Leider wird aber der Fokus auf das störende Verhalten gelegt und es wird lediglich daran trainiert, womöglich mit sich steigernder Schwierigkeit. Dagegen wird meist nicht versucht herauszufinden, was die eigentliche Ursache für dieses Verhalten ist.

Ich sehe viele Hunde, die schon von geringen Reizen im Umfeld aus der Bahn geworfen werden und in ein rastloses, hektisches und/oder lautes Übersprungverhalten abrutschen. Dieses zeigt sich sogar oftmals wie eine Aneinanderreihung von Verhaltensweisen: schütteln, wälzen, robben, in die Leine beißen, am eigenen Menschen hochspringen, an fremden Menschen hochspringen, überall hinwollen und frustriert reagieren, wenn das nicht geht, in die Leine springen, etwas oder alles anbellen, einfach in die Luft bellen oder sogar laut schreien oder dauerhaft winseln. Das alles sind sehr laute und deutliche Signale ohne oder mit wenig Pause. Und ja, wenn sie einen anderen Hund sehen, dann reagieren sie auch auf diesen sehr heftig.

Ich sehe dann verzweifelte Bezugspersonen, die dem Ganzen sofort ein Ende setzen möchten und im besten Fall positiv trainierte Signale abfeuern, aber auch damit den Hund nicht mehr erreichen. Das Gehirn und das Nervensystem des Hundes haben sich nämlich in dem Moment komplett aufgehängt. Nichts geht mehr. Game over.

Manche dieser Hunde sind draußen so dermaßen gereizt, dass sie allein schon durch ihre Größe, Kraft und heftigen Bewegungsmanöver für ihr menschliches Umfeld um ein Vielfaches gefährlicher sind als der Hund, der an der Leine auch mal einen anderen Hund anpöbelt und deswegen als aggressiv gilt. Leinenaggression: Ist es immer das, wonach es aussieht? Oder reden wir vielleicht nicht selten von überreizten, übererregten Hunden, die einfach mit dem „Alltag“ überfordert sind?

 

Training ist Alltag, Alltag ist Training.

Selbstverständlich sind hierbei die genetisch bedingten und rassespezifischen Eigenschaften und auch die Bedingungen, in denen die Hunde aufgewachsen sind, zu berücksichtigen. Da wir aber an diesen Schrauben nur noch geringfügig etwas drehen können, ist es unvermeidlich, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, die Ärmel hochzukrempeln und zu schauen, wie es im Leben, im Alltag dieses Hundes aussieht.

Bevor man sich ans Training mit einem solchen Hund begibt, sollte man erst mal schauen, was alles noch zu ordnen, auszusortieren oder einzuleiten ist. Denn viele dieser Hunde werden mit strukturgebenden Maßnahmen einfach in ein „passendes“ Verhalten gebracht. Das kann tatsächlich funktionieren. Dieses Verhalten ist meistens gerade während des Trainings oder während den Wettkämpfen vorhanden, die man sogar mit den geübten Fähigkeiten laufen kann. Es kann für manche Hunde auch im Ernstfall wirken. Aber kann der Hund dadurch „Alltag“? Lernt er tatsächlich emotional diese für ihn schwierige Situationen zu bewältigen? Nicht wenige Hunde, die mir vorgestellt werden, sind meisterlich in Hundesportdisziplinen unterwegs. Von Obedience über Agility bis zum Dummytraining. Aber wo ist der „Will to Please“, wenn man ihn für die Alltagsbewältigung braucht? Was läuft denn da schief? Und verändert sich etwas für den Hund selbst, wenn man ihn mit vielfältigen Trainingsmaßnahmen „diszipliniert“? Wird dadurch aus einem verzweifelt reagierenden Hund ein Hund, der souverän auch mal heikle Alltagssituationen bewältigen kann? Wird dadurch für ihn das Leben leichter?

Ich trainiere gern Hunde, ich mag es, ihnen Verhalten beizubringen, gemeinsam mit ihnen Fähigkeiten aufzubauen und zu vertiefen. Das Training, das in der Hundeschule vermittelt wird, sollte Mensch und Hund Freude bereiten, am liebsten mit dem Alltag zu kombinieren sein: zum Beispiel unterwegs auf der Gassirunde oder zu Hause im Garten. Freudiges Training geht sogar auch, wenn es um Problemverhalten geht. Effektives Verhaltenstraining wird gern mit Druck und Bedrohung assoziiert, aber nichts ist weniger wahr. Außerdem sollte generell Training nicht die einzige Interaktion sein, bei der unser Hund positive Aufmerksamkeit genießen kann. Im Idealfall sollte jeder Tag eine gewisse Menge an Qualitätszeit mit unserem Hund beinhalten.

Und vor allem sollte man auch nicht nur an dem Verhalten, bei dem es im Alltag hapert, trainieren, sondern flankierend Fähigkeiten aufbauen, die dem Hund Spaß und Auslastung bieten. Er sollte komplexe Verhaltensketten erlernen, die sein Hirn und seinen Körper vielseitig ansprechen. Viele Hunde, die mehrere Verhaltensbaustellen haben, werden nämlich hauptsächlich oder gar ausschließlich am Problemverhalten trainiert, bis es „irgendwann funktioniert“. Dazu werden sie immer und immer wieder in diese für sie doch schwierige Situation gebracht und im Fall von positivem Training und für gutes Verhalten im richtigen Moment belohnt. Das ist zwar notwendig, aber ich habe schon so oft Hunde erlebt, die irgendwann genau wissen, wann Trainingssituation ist und wann das echte Leben stattfindet. Daher sollte das Training an erster Stelle dazu eingesetzt werden, um dem Hund die notwendigen Fähigkeiten beizubringen, auf die er in den schwierigen Situationen zurückgreifen kann. Zunächst muss er das Verhalten mal „können“, vom Körperlichen her und natürlich auch kognitiv. Und vor allem sollte erst nachgeschaut werden, ob alle Rahmenbedingungen passen, sodass wir ihn in die Lage versetzen, überhaupt lernen zu können. Und das fängt beim Alltag und in Alltagssituationen an.

 

Rahmenbedingungen: Die Sache mit dem Gleichgewicht

Gehen wir nochmals von der ganzheitlichen Betrachtung des Hundelebens aus und stellen uns die Frage: Wie steht es um das emotionale, mentale und körperliche Gleichgewicht des Hundes? Wie steht es um seine innerliche Stärke, sein Selbstvertrauen, sein Vertrauen in seinem Umfeld und seine eigene Körperkontrolle? Wenn wir diese Faktoren übersehen und uns nur auf das Training konzentrieren, werden wir irgendwann frustriert an unsere Grenzen kommen. Oder es müssen härtere Maßnahmen her, weil das „sanfte“ Training in dem Fall nicht greifen kann. Dabei setzt heftiges Verhalten keineswegs hartes Training voraus. Im Gegenteil: Auch das „harte“ Training wird hier nicht greifen, und wenn das eine oder andere Symptom unterdrückt werden kann, so ist es sehr wahrscheinlich, dass sich zusätzliche Verhaltens- und auch Gesundheitsthemen entwickeln können. Irgendwie muss der Frust und die Verzweiflung, nicht oder falsch verstanden zu werden, ventiliert werden.

 

Körperliches Wohlbefinden

Als Erstes ist zu prüfen, ob sich der Hund in guter Gesundheit befindet, angemessen und passend ernährt wird und, vor allem, schmerzfrei ist. Letzteres ist tatsächlich nicht so einfach, wie es sich anhört. Wir erwarten aus unserer menschlichen Perspektive, dass Hunde jammern und zeigen, wenn es irgendwo wehtut. Tun sie nicht, und wenn, dann leider sehr diskret und kaum wahrnehmbar. Wenn Hunde humpeln, tut es schon lange weh, sind die Schmerzen sehr stark oder sie haben aufgrund körperlicher Einschränkung keine andere Wahl. Häufig werden Schmerzen bagatellisiert und nicht behandelt. Das Training greift nicht oder sehr zögerlich, wenn der Hund Schmerzen hat; es muss intensiver trainiert werden, und so wird es dem Hund gegenüber immer unfairer. Es gibt zum Glück heutzutage viele Möglichkeiten, Schmerzen auf die Spur zu kommen, sie zu reduzieren oder zu beseitigen. Wenn auch nur die Vermutung besteht, sollte man nicht ruhen, bis man weiß, wie und wo man helfen kann.

Gerade durch die Tellington-TTouch®-Arbeit kommen manchmal die kleinen Symptome zutage: extreme Berührungsempfindlichkeit, am ganzen Körper oder nur an bestimmten Stellen, Verspannungen, Fellveränderungen, Schwierigkeiten, auf Fliesen oder glatten Böden zu laufen, Unsicherheit beim Treppensteigen, durch enge Räume zu gehen oder Probleme beim Autofahren sind nur einige Beispiele. Viele dieser „Eigenheiten“ werden nicht beachtet oder bearbeitet und schon gar nicht mit unerwünschtem Verhalten in Verbindung gebracht.

Eine weitere unerlässliche Maßnahme, die sich auf sein körperliches Wohlbefinden auswirkt, ist das Sicherstellen von ausreichender Ruhe und Regenerationszeit. Ohne Schlaf und Ruhepausen wird der Hund nicht nur ständig nervlich an seine Grenzen kommen, sondern dies kann auch negative Folgen für seine allgemeine Gesundheit und sein Immunsystem haben.

Insgesamt sollte die körperliche Auslastung sowohl in der Qualität wie in der Quantität dem individuellen Hund angemessen sein.

 

Emotionale Balance

Gerade wenn der Alltag einige Faktoren beinhaltet, die für den Hund richtige Herausforderungen darstellen, kann das in ein erhebliches Ungleichgewicht im emotionalen System resultieren. Leider nicht immer offensichtlich für das menschliche Umfeld. Wie immer sind sie vor allem sehr individuell zu betrachten. Was für den einen Hund gar keine Hürde ist, kann für den anderen Hund reine Überforderung sein. Stressmomente sind Situationen, die vom Hund nicht oder kaum zu bewältigen sind oder denen er sich wehrlos ausgesetzt fühlt. Sie führen zu Frustration und Überforderung.

Häufige Ursachen, die für den Hundehalter nicht immer nach dem Stress aussehen, den sie für den Hund bedeuten, können sein: allein bleiben, wildes und lang andauerndes oder ausuferndes Spiel mit Artgenossen oder mit seinem Menschen, Spaziergänge in belebten Arealen mit vielen Reizen, Spannungen zwischen den Artgenossen im gleichen Haushalt, Angst vor dem menschlichen Umfeld, harte oder bedrohliche Trainingsmethoden, Einschränkungen, Geräuschempfindlichkeit. Aber natürlich ist hier auch die Querverbindung zu körperlichen Themen zu legen: Wer sich im Körper nicht wohl oder stark genug fühlt, ist schneller von Situationen im Alltag überfordert. Und auch hier wieder können wir mit der Tellington-TTouch®-Methode wunderbar nachhelfen. Wir können durch die Bodenarbeit viele Sicherheiten in Körper und Seele wiederherstellen und dem Hund durch ein besseres Körpergefühl mehr Zuversicht verleihen.

Training mit positiver Verstärkung – also Clickertraining oder Markertraining – sind ebenfalls eine hervorragende Möglichkeit, Hunde emotional aufzubauen, sofern es nicht übertrieben wird und dem Hund genügend Raum für Selbstwirksamkeit gelassen wird. Mit Selbstwirksamkeit meine ich nicht, „den Hund Hund sein lassen“. Dies ist nämlich oftmals eine beschönigende Umschreibung für: ohne gegenseitige Achtsamkeit unterwegs zu sein. Selbstwirksamkeit besteht, wenn dem Hund Raum und Zeit geboten wird, Neues im eigenen Tempo zu erlernen und Situationen mit erworbenen oder vorhandenen Fähigkeiten selbst zu bewältigen.

Und nicht zuletzt helfen uns auch Spielmomente und spannende Aufgaben, die dem individuellen Hund entsprechen. Ich meine hiermit kein monotones Ballspiel, das viele Hunde in die Übererregung schickt – was dann gern als „Freude“ gedeutet wird –, sondern Spiele, die zusammen mit seinem Menschen stattfinden und noch dazu die Beziehung stärken können. Laufen, zerren und Spannung aufbauen oder den Hund mal richtig in seine Nasenwelt abtauchen lassen – das macht Hunde glücklich, zufrieden und müde.

 

Mentale Stärke

Da auffälliges Verhalten, vor allem die Reaktivität an der Leine, sehr häufig von Unsicherheit und Angst gesteuert wird, ist es wichtig, Hunde geistig und emotional zu stärken. Wie oben beschrieben, können Training, Spiel und Auslastung eine Menge bewirken. Diese drei Aspekte greifen stärkend ineinander. Wenn wir den Hund zu komplexen Verhaltensketten befähigen, helfen wir nicht nur ihm, auch in schwierigen Situationen „den Kopf“ zu bewahren, sondern auch uns selbst. Wir üben unsere eigenen Kommunikationsfähigkeiten, wodurch wir klar und eindeutig werden und von dem Hund das abfragen, was wir ihm beigebracht haben. Klar, aber nicht lauter. Und so schmiedet sich das Team aus Hund und Mensch immer mehr zusammen. Es ist meine Erfahrung, dass Hunde, die mithilfe von Markertraining lernen können, eine längere Konzentrationsspanne bekommen und dadurch auch in brenzligen Situationen geistespräsent und ansprechbar bleiben.

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Zusammen unterwegs?

Grundlage für das gemeinsame Meistern von allen möglichen Lebenssituationen ist eine gute und solide Aufmerksamkeit, selbstverständlich in beiden Richtungen. Wenn wir unserem Hund beibringen, uns aus eigener Bewegung regelmäßig anzuschauen und Kontakt aufzunehmen, herzukommen, ohne dass wir ihn dazu auffordern müssen, legen wir eine starke Basis für das Training der meisten Verhaltensthemen. Abrufbarkeit, Leinenführigkeit, Aufmerksamkeit, Leinenaggression, Anti-Jagd-Training und viele andere Verhaltensaspekte gedeihen enorm auf dem Boden dieser Fähigkeit. Das Training davon ist recht einfach und kann quasi durchs Markern von bewussten und unbewussten Kontaktaufnahmen geformt werden. Einer der vielen Nebeneffekte dieser Fähigkeit ist, dass sich die Hunde generell eher vom denkenden Hirnteil bedienen als vom reagierenden. Gerade bei Hunden, die sehr viel an der langen Leine oder an der Schleppleine geführt werden, verkümmert diese Fähigkeit schnell.

 

Selbstwirksame Bewältigung von Begegnungen durch BAT

Das von Grisha Stewart entwickelte BAT®-Training (Behavior Adjustment Training) ist eine wahre Bereicherung für das Verhaltenstraining insgesamt. Es ermöglicht dem Menschen, mehr über die wirkliche Motivation für das Verhalten seines Hundes zu erfahren und außerdem sein Auge für die kleinsten Zeichen der Hundekörpersprache zu schulen. Die Quintessenz von BAT beinhaltet, dass Hunde lernen, durch eigenes deeskalierendes und konfliktvermeidendes Verhalten Begegnungen stressfrei zu gestalten. Und siehe da: Plötzlich entdeckt man, dass der junge ungestüme Labrador doch nicht unbedingt zum Spielen zu jedem anderen Hund hinmöchte. Er möchte es nur, wenn die Distanz zu klein ist und er außer Nahkontakt keine anderen Mittel zur Verfügung hat. Auch staunt das Frauchen eines notorischen „Pöblers“ nicht schlecht, wenn sie durch das leise und lockere Hantieren der Leine und die angemessene Anfangsdistanz eine Reihe von perfekten höflichen Verhaltensweisen bei ihrem Hund entdeckt. Basierend auf der These, dass zu jedem Verhalten eine „Vorlage“ (Antezedenz) und eine Folge (Konsequenz) gehört, schlägt die BAT-Methode vor, Hunde erst einmal auf großer Distanz die Möglichkeit zu geben, alternatives Verhalten (statt Aggression) für sich zu entdecken. Hierzu wird die „Vorlage“ verändert: Es wird nämlich auf einer Distanz geübt, auf der der Hund sich nicht auffällig und erregt verhalten muss. So kann er in einer organisierten BAT-Sitzung selbst im Vorteil seines eigenen Wohlbefinden agieren, indem er sehr unspektakuläres und ruhiges Verhalten zeigt und daraus lernt, dass ihm dies unbehelligt durch die Situation hilft. Das ist für ihn die Konsequenz.

Bisher hat er gelernt, dass ein heftiges reaktives Verhalten dazu führt, dass entweder der andere Hund von dannen zieht oder er selbst aus der Situation (wenn auch manchmal unsanft) entfernt wird. Es ist sehr wichtig, diese guten Erfahrungen so oft, wie es nur geht, zu ermöglichen – nicht nur beim Erscheinen von anderen Hunden, sondern auch im Alltag an unterschiedlichen Auslösern. Denn wer durch das lockere Leinenhandling und das Beobachten der Körpersprache auf die kleinen Signale und Verzögerungen achtsamer wird und lernt, diese richtig zu deuten, wird feststellen, dass die meisten Hunde nicht nur auf andere Hunde reagieren, sondern bei vielen unscheinbaren Auslösern (Menschen, Kinder, Radfahrer, Mülltonnen, laute Fahrzeuge, Pferde, Kühe und vieles mehr) gern etwas Raum und Zeit hätten. Hier gilt: Wo wenig Raum, dort mehr Zeit, und wo wenig Zeit, dort mehr Raum.

Durch das tägliche Anwenden von BAT in meiner Hundeschule, aber auch bei den eigenen Hunden, weiß ich, dass es Hunden nie und nimmer leichtfallen wird, in direkter Linie auf andere Hunde zuzulaufen. Denn genau das ist, was wir fordern, wenn wir den Wunsch aussprechen, irgendwann mal gelassen an anderen Hunden vorbeizulaufen. Das wird für Hunde immer bedrohlich und unnatürlich bleiben. Ohne Zweifel kann man dies trainieren, aber je nach Empfindlichkeit des Hundes und je nach örtlichen Gegebenheiten kostet es uns wirklich nichts, etwas zu warten (Zeit) oder ein wenig auszuweichen (Raum). Denn selbst wenn er nur noch ab und ins reaktive Verhalten verfällt und für ihn die Folge ist, dass die Auslöser sich entfernen, bedeutet dies für das Verhalten eine intermittierende Verstärkung des Verhaltens: Das Verhalten führt nur ab und an zu Genugtuung. Diese intermittente Verstärkung jedoch macht Verhalten zäh und widerstandsfähig. Das bedeutet unter Umständen, dass man noch lange zu trainieren hat.

Man sollte also offen bleiben: vorhandene Faktoren verändern, austauschen und/oder ablösen und eventuell eine neue Brille aufsetzen. Und immer wieder bereit sein, seine Vorgehensweise zu revidieren und anzupassen.  Denn auch auf Hundetraining trifft das Zitat von Albert Einstein zu:

„Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

 

Katrien Lismont …

ist Inhaberin der Hundeschule DOGood in Bretzfeld bei Heilbronn. Sie ist Tellington TTouch Practitioner (P2), zertifizierte BAT Instruktorin und Cumcane® Trainerin. In ihrem Praxisalltag kombiniert sie das Markertraining mit Elementen aus der Tellington-TTouch®-Methode, wie auch mit hundetypgerechtern Bach-Blüten-Beratung und einer ganzheitlichen Begleithung des Mensch-Hund-Teams. In ihrer Hundeschule bietet sie sowohl Verhaltenstraining wie auch Erziehungs- und Beschäftigungskurse an. Mit ihrem Mann und drei Hunden lebt sie  im Hohenloher Land. Ihr Buch „Hund trifft Hund“ ist 2017 im Cadmos-Verlag erschienen.

Weitere Infos: www.dogood.de

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Buchtipp

Hund trifft Hund. Entspannte Hundebegegnungen an der Leine

Katrien Lismont
ISBN 978-3-8404-2048-1

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Cover SitzPlatzFuss 28 © cadmos.de

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SPF 28, Schwerpunktthema: “Hundebegegnungen entspannt meistern”

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Category: Besondere Themen, Hundeverhalten, Leseproben

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